Autofasten 2019: Unsere Teilnehmer ziehen Bilanz

20.04.2019

Sechs Woche Autofasten sind rum. Vom 06.03. - 19.04.2019 haben sich unsere zwei Teilnehmer - Jan und Esther - das Experiment gewagt: Sechs Woche das eigene Auto stehen lassen und dafür auf ÖPNV und Carsharing umsteigen. 

Wie war es? Was haben sie gelernt und vor allem: Wie geht es jetzt weiter? 

Das schreibt uns Jan aus Wiesbaden: 

"Jetzt will ich gerade mein Fazit zum Autofasten schreiben und mir fällt nicht mal konkret ein, wann ich den Autoschlüssel abgegeben habe, das sagt irgendwie schon alles, oder? Ja, ich kann es kurz machen: Ich verkauf die Karre.

Bevor die Aktion startete, dachte ich, mein Leben würde dadurch primär unkomfortabler, aber dafür ökologischer und fairer, weil ich nicht mehr so viel öffentlichen Platz beanspruche. Tatsächlich ist es nicht mal unkomfortabler, denn ein eigenes Auto spart zwar manchmal Zeit, wenn man irgendwohin muss, es kostet aber auch eine ganze Menge Zeit, sich dieses Privileg zu erhalten, das vergisst man schnell.

Ja, ich kenne auch ein paar Leute, die das gerne machen. Die kaufen bei Ebay neue Felgen, wienern ihr Auto Samstag vormittags in der Einfahrt, bis es blitzt, und haben pünktlich am ersten November um acht Uhr morgen die Winterreifen aufgezogen. Ich bin das Gegenteil davon. Mein Auto ist ständig voll mit irgendwelchem Kram, ich rufe am 15. Dezember in der Werkstatt an und bekomme dann einen Termin für Anfang Januar für die Winterreifen und bei der Gelegenheit stellen die fest, dass irgendwas für viele hundert Euro repariert werden muss. Das will ich nicht mehr.

Ich will das nicht mehr, denn es bringt mir auch gar keinen Mehrwert. Die vielbesungene Flexibilität des eigenen Autos schrumpft in der Großstadt zwischen Platznot und verstopften Straßen stark zusammen und wirkt um so absurder, wenn man das Auto irgendwann bewusst nicht benutzt, weil man dann seinen schönen Parkplatz aufgeben müsste. Mein Auto hilft mir dann nicht bei meinem Alltag, es bestimmt ihn.
Carsharing ist da einfach die deutlich flexiblere Fortbewegungsmethode: Ich nehme das Auto meiner Wahl am Ort meiner Wahl zur Uhrzeit meiner Wahl. Ich kann mir in der Stadt spontan einen Nachttisch kaufen und den mit dem nächsten Cityflitzer nach Hause transportieren, ohne das vorher geplant zu haben. Ich kann mir bei schönem Wetter ein Cabrio leihen, für die Fahrt zu den Großeltern einen Kombi übers Wochenende und für einen IKEA-Besuch einen großen Transporter. Die Idee, ein einzelnes Auto zu besitzen, das für alle Zwecke funktioniert, ist auch ökonomisch einfach überholter Unsinn.

Diese Fälle sind außerdem recht selten, denn innerhalb der Stadt bin ich mit Rad und Bus ohnehin schneller unterwegs – dazu braucht man eigentlich kein Carsharing, aber es hilft dabei, sich die Kosten einer Autofahrt besser bewusst zu machen. Mit dem eigenen Auto gewinnt man schnell den Eindruck, einzelne Fahrten kosteten gar nichts mehr, wenn das Auto erst mal gekauft und vollgetankt ist, dabei produzieren Abnutzung und Benzinverbrauch selbstverständlich bei jeder Fahrt Kosten. Sieht man die bei jeder Fahrt, überlegt man halt doch öfter, ob Rad, Bus oder Bahn es nicht auch tun und belohnt sich damit selbst – Die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit am ersten warmen Frühlingstag ist einfach großartig.

Noch schöner wäre sie allerdings, wenn nicht so viele Autos in der Stadt wären ;)"

Der Wiesbadener Kurier hat Jan zu seinen Erfahrungen interviewt: Zum Artikel

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Und was sagt Esther aus Mainz zu ihrem Experiment? 

"6 Wochen hatte ich Zeit, Book-n-Drive und den ÖPNV mehr oder weniger kostenlos zu erkunden. Das Ziel? Erst einmal gar keines, es ging darum, Eindrücke zu erfahren und weiterzugeben, vielleicht auch mal die eigenen Bequemlichkeits-Grenzen auszutesten, und neue Möglichkeiten zu nutzen. Das habe ich - meiner Meinung nach - ausgiebig getan: Zugfahrten zum Flughafen (#flugshaming), Busfahrten innerhalb von Mainz und Wiesbaden, mit dem Cityflitzer einkaufen und mit dem VW Caddy und den Mädels auf Tagestour.

Mein Feedback aus den Wochen zeigt: Ich bin begeisterte Carsharing- und ÖPNV-Fahrerin!

So schön die Fahrten waren, im Nachhinein nagte immer das schlechte Gewissen: Warum nicht so? Warum noch selbst ein Auto besitzen?

"Das war's" - das gilt jetzt nicht nur fürs Autofasten, sondern auch für mein eigenes Auto. 6 Wochen lang stand es eifersüchtig in der Garage herum, während ich mit praktikablen kleinen oder chicen größeren Flitzern von book-n-drive herumgefahren bin. Die Konsequenz? Der Twingo muss weg. Nicht, dass es mir nicht mein materialistisches Herz brechen würde, dieses Auto hat mich als Nachfolger des alten Twingos immerhin 2,5 Jahre durch Umzug, Fahrten in die Heimat und Mainz und auf Urlaubstrips begleitet. Aber die vergangenen Wochen habe ich mich immer wieder selbst fragen müssen: Ist es das wert? Welchen Vorteil ziehe ich wirklich aus dem Besitz eines eigenen Autos?

Klar, geht die Rechnung nicht nur wegen des ökologischen Aspekts nicht auf, fairerweise waren auch Kosten und zeitgleicher Wertverlust ein Argument gegen das eigene Auto. 
 
Komplett rosig gestaltet sich der Verzicht aufs eigene Auto natürlich nicht: Fahrten zu Freunden, auch mal über Nacht, sind auf den ersten Blick kostspielig, und bei Nutzung eines stationsbasierten Autos auch recht unflexibel. Ich wurde umgebucht auf andere Fahrzeuge, obwohl das eigentlich gebuchte Fahrzeug weiterhin verfügbar war, ich kam nicht aus dem Parkhaus raus und nicht in allen Fällen war meine Fahrt preislich konkurrenzfähig. Es will gut abgewogen sein, ob sich der Abo-Preis für Book-n-Drive Nutzer lohnt. Und: Die Abrechnung über eine km-Pauschale, statt eines tatsächlichen Kraftstoffverbrauchswert birgt die Gefahr, gerne mal "aufs Gas zu drücken", ohne Rücksicht auf Umwelt und Abnutzung - so zumindest mein Empfinden. Gleichzeitig wertet das Karma-Gefühl vieles auf: Wo ich mir früher eine gemeinschaftliche Nutzung meines Autos nicht hätte vorstellen können, bin ich jetzt schon etwas Stolz, wenn ich ein Auto "teile". Andere CityFlitzer in der Stadt zu sehen, macht mich regelrecht euphorisch. Auch die Nutzung des ÖPNV ist nie ganz komplikationslos, besonders, wenn die DB involviert ist ;-). 
 
Am 30.04.2019 wurde mein Auto abgemeldet. Zum 01.06.2019 beginnt mein ÖPNV-Abo beim RNN und bis dahin nutze ich weiterhin book-n-drive, andere Mietwagen-Anbieter und meine beiden gesunden Füße, auch in Form von Pedaltreten. Und wer weiß? Vielleicht investiere ich das gesparte Geld kommendes Jahr in eine kleine Elektro-Schwalbe. 
 
Danke an das gesamte Book-n-Drive Team für die Möglichkeit, alles einmal auszutesten - ich hoffe, ihr bleibt weiterhin im engen Kundenkontakt und fördert vielleicht sogar mit der Einführung einer "Eco"-Variante (abolos, anderes Abrechnungssystem?, vermehrt Elektro) den Umwelt- und Klimaschutz."