Experiment Autofasten: 6 Wochen Carsharing & ÖPNV

12.02.2018

Wie ist es, wenn man das eigene Auto stehen lässt und stattdessen für sechs Wochen auf Carsharing und ÖPNV umsteigt?

Für überzeugte Carsharingnutzer mag das normaler Alltag sein, für viele Autobesitzer ist es jedoch eine große Umstellung. In den kommenden Wochen begleiten wir Frank (54) und Familie Steingässer (Jens (42), Jana (41), Paula (18), Mio (11), Hannah (9) und Frieda (7)) bei dieser spannenden Erfahrung.

Jede Woche teilen sie auf Facebook und unter Aktuelles wie es Ihnen beim Autofasten ergeht.  

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Woche 1 // Familie Steingässer

"Vielleicht ist es ein Irrwitziges Vorhaben – als sechsköpfige Familie die eigenen Autos abzuschaffen. Ausgerechnet im Winter! Unser Ziel: unseren CO2-Ausstoß weiter so stark minimieren und Ressourcen sparen, wie wir es schon in anderen Bereichen schaffen. Seit Jens und ich vor fünf Jahren begonnen haben, an einem umfangreichen journalistischen Projekt über die Auswirkungen des Klimawandels zu arbeiten, ist uns ganz klar: Wir können nicht so weitermachen wie bisher! Unsere vier Kinder Frieda (7), Hannah (9), Mio (11) und Paula (18) probieren bereits aus, was sie selbst zu einer enkeltauglichen Welt beitragen können, von veganer Ernährung über Leben ohne Plastik bis hin zu DIY-Experimenten in Küche und Haushalt. Jens und ich haben uns vor allem unser Mobilitätskonzept vorgeknöpft. Im Alltag sind wir mittlerweile meistens mit Lastenrädern unterwegs. Aber das funktioniert eben nicht immer. Zum Beispiel, wenn wir unsere Pferde versorgen müssen. Oder wenn wir spontan mit Kindern, Freunden, Sack und Pack einen Ausflug in den Odenwald machen möchten. Ein „halbes Auto“ wäre nicht schlecht, von mir aus auch ein drittel. Warum also nicht carsharing ausprobieren? Jens und ich haben allerdings ein paar Zweifel. Schaffen wir das wirklich, langfristig vom eigenen Auto wegzukommen? Wo werden wir an unsere Grenzen geraten? Spontan mit carsharing, geht das überhaupt? Ist es nur eine Frage von Gewöhnung und guter Organisation? Klar ist: So lange der eigene Autoschlüssel am Brett hängt, ist es verdammt einfach, schnell danach zu greifen. Wird uns der Umstieg auf carsharing vielleicht dabei helfen, eingefahrene Gewohnheiten abzulegen und neue Wege auszuprobieren? Eine Antwort finden wir nur, wenn wir's selbst ausprobieren. Begleitet uns bei unserem „Detox“-Experiment!

Das sind wir:
Jana (41) arbeitet als Autorin und Journalistin für Verlage und Magazine und verbindet dabei reise- und umweltjournalistische Aspekte.
Jens (42) ist freier Fotograf und Fotojournalist. Gemeinsam mit Jana und in enger Zusammenarbeit mit dem Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin arbeitet er seit fünf Jahren an dem Projekt „Die Welt von morgen – Eine Familie auf den Spuren des Klimawandels“. Ihr gleichnamiger Bildband erschien 2016 bei National Geographic.
Paula (18), Mio (11), Hannah (9) und Frieda (7) begleiten ihre Eltern auf den meisten Reportagereisen. Dabei haben sie schon früh mit eigenen Augen gesehen, wie sich menschliches Handeln auf die Ressourcen der Erde auswirkt. Und sie haben Menschen und Initiativen kennengelernt, die mit tollen Ideen für eine enkeltaugliche Zukunft vorangehen. Ideen, die sie jetzt auch zu Hause testen.
"

 

Woche 1 // Frank

"Eigentlich bin ich ein Gutmensch. Keine Plastiktüten, keine Fertiggerichte und keine T-Shirts die von Kindern in Bangladesch genäht wurden. Ich bekleide ein Ehrenamt und bin zur Stelle, wenn irgendwo meine Hilfe gebraucht wird. Ich kenne meine Nachbarn und in vielen Geschäften werde ich mit Namen und Wie-immer begrüßt. Ich bin ein soziales Wesen, einmal wöchentlich koche ich für Freunde und ich kenne den Namen des Dackels der mir morgens auf dem Weg zur Arbeit begegnet.

Ich fahre täglich mit einem Cabriolet von Frankfurt nach Wiesbaden zur Arbeit. Ich wohne in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof und arbeite in der Innenstadt. – Moment, das stimmt was nicht, das passt jetzt aber gar nicht!
 
OK – Fastenzeit.
Für sechs Wochen tausche ich mein Auto gegen öffentliche Verkehrsmittel und die book-n-drive-Flotte. Das kann doch nicht so schwer sein mit der Bahn zur Arbeit zu fahren und für andere Situationen ein Auto zu buchen. Wenn ich mit dem Kleinen was unternehme habe ich eh oft einen Leihwagen genutzt, da der Rollstuhl nicht in den Sportflitzer passt. Wenn ich mit der Oma in den Zoo fahre, dann können wir ein Auto nehmen in das sie leichter rein und raus kommt und der Rollator Platz hat. Das wär’ doch gelacht, wenn man nicht auf diesen Luftverpester verzichten könnte. Noch dazu ist ein zweisitziges Cabriolet wirklich ein ‚asoziales’ Auto.
 
Jetzt bin ich sehr gespannt, wie sich mein Alltag ändert. Wie oft stehe ich frierend auf einem Bahnsteig? Wie oft verfluche ich eine verpasste Bahn? Werde ich viel öfter als erforderlich ein Auto nehmen? Werde ich andere Sachen mit einem Auto erledigen? Werde ich es kaum erwarten können mein eigenes Auto wieder zu bekommen? Oder bekommt mein Spaßauto nur noch diesen Sommer als Abschiedszeit für eine Phase in meinem Leben und wird mit dem ersten Herbstwind verkauft? – Genug?
 
Mit etwas Glück wird aus dem Experiment eine Lebenseinstellung."